Braunschweig  Zahlen, die bei einer Podiumsdiskussion zum Braunschweiger Kulturetat genannt wurden, irritieren. Wir haben bei Verwaltung und Politik nachgefragt. Braunschweiger Zeitung vom 31.08.2016 - 19:41 Uhr

Blick auf den Cimiotti-Brunnen vor dem Großen Haus des Braunschweiger Staatstheaters. - Foto: Norbert Jonscher

Eine erstaunliche Zahlen-Diskrepanz gab es bei einer Debatte zur Kulturpolitik im Vorfeld der Kommunalwahl. Während der veranstaltende Verein „Kultur für alle“ erklärte, die Ausgaben für das Staatstheater betrügen 90 Prozent des Kulturetats, erklärte die CDU-Politikerin Anke Kaphammel an dem Abend, die Ausgaben betrügen „weniger als 10 Prozent“.

Nachfragen ergaben: Beide Zahlen stimmen nicht. Laut Kulturdezernentin Anja Hesse beträgt der Kulturetat 2016 knapp 29 Millionen Euro, davon fließen gut 10 Millionen ins Staatstheater. Das sind gut ein Drittel.

Anke Kaphammel erklärte auf Anfrage, sie habe sich offenbar an dem Abend versprochen. Sie habe gemeint und sagen wollen: „Weniger als 10 Millionen.“

Für den Verein erklärte der zweite Vorsitzende Bernd Müller: „Der Kufa-Verein hat einen Fehler gemacht in der Aussage: 90 Prozent für Hochkultur. Uns kommt es auf die inhaltliche Auseinandersetzung an, und da will doch wohl keiner bestreiten, dass es ein krasses Missverhältnis gibt zwischen der Finanzierung des Staatstheaters und der freien Kulturszene.“

Für die Linken-Fraktion teilte uns Gisela Ohnesorge mit: „Worauf der Verein Kufa sich bei seiner Frage bezog, war die Höhe der ,Zuwendungen’. Hier stehen rund 12 Millionen zur Verfügung, und von diesen erhält das Staatstheater rund 10 Millionen, also liegt der Anteil tatsächlich im Bereich der genannten fast 90 Prozent.“

Auf Nachfrage erklärte sie, unter Zuwendungen seien jene Gelder des Kulturetats zu verstehen, welche die Stadt über die Ausgaben für Personal, Museen und andere städtische Einrichtungen hinaus an Dritte transferiert. Das Staatstheater, zu einem Drittel von der Stadt, zu zwei Dritteln vom Land finanziert, rechnet sie dabei nicht zu den städtischen Einrichtungen.

Linken-Mitarbeiter Hans Georg Hartwig präzisiert: „Von allen Zuwendungen an nicht städtische Kultur-Institutionen im Teilhaushalt Kultur (12,3 Millionen) gehen 84 Prozent als Zuschuss an das Staatstheater. Von allen Aufwendungen für Theater (11 Millionen) gehen 94 Prozent als Zuschuss an das Staatstheater.“maja

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