Ansichten / Standpunkte / MöglichkeitenAusgangssituation

Braunschweig hat keinen Kulturentwicklungsplan und leistet sich auch keinen Stadtentwicklungsplan. Leider gibt es bis heute auch keine Auswertung der Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2010. (Nachhaltigkeit)

Vorgeschichte: Das alte FBZ

Wir wollen keinen Blick zurück sondern das, was am alten FBZ gut war, neu ausbauen. Kultur soll auch bezahlbar sein, kostenfreie Räume sind heute wie damals nötig, damit kulturelle Teilnahme nicht vom Geldbeutel abhängt.

Kultur von unten / Soziokultur

Die Einen sehen in der Kultur nur ein Geschäftsmodell und meinen vielleicht den gesamten Lebensbereich der Kultur zu materialisieren.

Kultur bedeutet Wandel und Weiterentwicklung

Traditionspflege kann zum Konservativismus führen und wird allzuoft als Event und wiederkehrende Großveranstaltung gefeiert. Die Hochkultur unterscheidet sich von der Kultur von unten allein schon dadurch, dass die Einen Millionen bekommen und die Anderen “Centbeträge”.

Kreativität braucht Räume

Wir wollen eine Plattform entwickeln für die Kleinkunstszene und wollen ihr auch Geltung verschaffen. Zu diesem Zweck wollen wir eine Kooperation aufbauen mit Musikern, Malern, Schreibenden und Fotografen. Auch gibt es viele Gruppen, die tanzen, trommeln, Schach spielen oder sich als Briefmarkensammler treffen wollen. Es gibt auch freie Gruppen (keine Vereine) oder auch Bürgerinitiativen, die Bedarf haben.

Welche Veranstaltungskultur wollen wir?

Ein gutes Beispiel für ein neues Zentrum mit Inhalten ist zum Beispiel das Universum-Kino. Es zeigt Filme, die normalerweile im normalen Mainstream-Kino nicht mehr angeboten werden. Im Buch Bohlweg-Zeiten (Die 80er in Braunschweig) kann man auf Seite 115 die Konzertliste von 1983 – 1989 einsehen. Diese Konzerte wären in einer VW-Halle oder einer Stadthalle auch bei kleinerem Saal nicht gelaufen. Vielleicht könnten wir mal ein fiktives Programm erarbeiten.

Synergieeffekte und Kooperation

Oft fehlt es an einer größeren Halle für Konzerte bis 500 – manchmal auch bis 800 Personen. Es gibt in Braunschweig zahlreiche Kneipen, die Konzerte oder Ausstellungen organisieren. Eine sinnvolle Zusammenarbeit könnte sich durch eine größere Halle ergeben.

Interkulturelle Zusammenarbeit vor Ort

Mit dem neu geschaffenen Haus der Kulturen könnte man eine Veranstaltungsreihe im größeren Rahmen für eine größere Anzahl von Teilnehmern entwickeln, die die Vielfältigkeit des kulturellen Lebens darstellt.

Ausbildung und Weiterbildung

Als niederschwelliges Angebot für Kulturschaffende sollen Förderungsmöglichkeiten gesucht werden (Zuwendungsrecht bezogen auf Bund, Land, Stadt und auch Europa) Die Förderrichtlinien allgemein, die Beantragung von Zuwendungen, die Projektförderung im Speziellen sind für viele Kulturschaffende ein Buch mit sieben Siegeln. Die Angebote der N-Bank des Landes Niedersachsen als Tagesseminare kosten 70 – 140 € und sind von daher für Viele nicht realisierbar, hier sollten wir eine erschwingliche Seminarreihe für Braunschweig entwickeln.

Wen wollen wir gewinnen?

Wenn man die Artikelserie “7+1 Frage an” von Lord Schadt im Braunschweig-Spiegel liest, wo mittlerweile über 90 Gruppen und Personen vorgestellt wurden, bekommt man beispielsweise einen guten Eindruck vom breiten Querschnitt einer Kultur von unten. Auch das Programm der Kulturnacht Braunschweig gibt einen Einblick in die breite Szene. Ebenso die Veranstaltung “Kunst hierundjetzt” aus 2011 gibt einen guten Einblick in die Ateliers. In der Auswertung zum Gemeinschaftshaus Weststadt hat Herr Prof. Dr. Kolhoff der Ostfalia (Fakultät: Soziale Arbeit) ebenfalls einen erhöhten Bedarf an Räumen festgestellt.

Zielgruppen

Alle Generationen sollen sich angesprochen fühlen. Es gibt einen Bedarf für Menschen jenseits der 50, die eine andere Vorstellung von Kultur haben als die gängige Senioren-Kultur. Zahlreichen Musikgruppen fehlen Übungsräume, dies trifft besonders auf jüngere Musiker zu, die nicht die fianziellen Mittel haben.

Kultur braucht Raum

Es gibt in Braunschweig ausreichend Räume für Kultur, allerdings können viele besser genutzt werden. Zwischennutzungen für Künstler von leer stehenden Wohnungen und Geschäften sollten zum Beispiel die Regel sein und nicht die Ausnahme.

Aktive Kulturschaffende fördern

Kultur lässt sich nur schwer von oben herab verordnen. Es ist daher einfacher, das zu fördern, was schon vorhanden ist und gut läuft. Anstelle von großen, temporären Projekten, deren Wirkung schnell verpufft, sollte daher lieber in die Infrastruktur für aktive Kulturschaffende investiert werden: in Proberäume, in Galerien, in offene Fotostudios und in Läden, die aktiv Kultur unterstützen.

Kultur gehört zum Stadtbild und ist ein wichtiger Marketingfaktor

Kultur gehört nicht nur in geschlossene Räume, sondern ist ein wichtiger Baustein einer Stadt. Es ist daher notwendig, dass in der Stadt mehr Auftritts- und Ausstellungsmöglichkeiten entstehen, in den Ortsteilen, im Stadtkern und auch an öffentlichen Orten wie Plätzen und Parks.

Projekt „Fünf für Braunschweig“

In Leipzig entstand das Projekt „Fünf für Leipzig“, das zum Ziel hatte, dass fünf Prozent des Kulturetats für freie Träger verwendet werden soll. Ein ähnliches Projekt ist auch für die Braunschweiger Kulturszene wünschenswert, da die Förderung der so genannten Freien Szene bisher eher im Promillebereich des Kulturetats liegt.

Vernetzung von sogenannter Hochkultur und sogenannter Subkultur

Die Unterscheidung zwischen Hoch- und Subkultur kommt aus dem letzten Jahrhundert und ist heutzutage nicht mehr tragbar. Besser ist es, von (hoch)subventionierter und nicht- bzw. gering subventionierter Kultur zu sprechen. Damit beide Kulturen nicht gegeneinander ausgespielt werden, ist es notwendig, dass die sich die (hoch)subventionierte Kultur öffnet. Freie Theatergruppen suchen zum Beispiel sehr oft nach günstigen Auftrittsorten, und es wäre toll, wenn diese auch im Staatstheater, zum Beispiel im Haus 3 oder im U22 kostenfrei auftreten können. Eine häufigere Zusammenarbeit von Musikern aus dem Staatstheater mit Bands aus der Region halte ich auch für viel versprechend. Auch Auftritte von Bands in der Hausbar oder im Kleinen Haus sind denkbar.

Einfachere Antragsstellung beim Kulturinstitut für Förderung

Die Hürden, beim Kulturinstitut einen Antrag zu stellen, sind sehr hoch. Kaum ein Kulturschaffender liest sich die 15+ Seiten durch, die bei der Antragsstellung beachtet werden müssen. Die Zeit, welche die Antragsstellung in Anspruch nimmt, lohnt sich oft nicht verglichen mit den Geldern, die man bekommen kann. Es fehlt daher an einer einfacheren Antragstellung, zumal Kulturschaffende mit Migrationshintergrund nur wenig Möglichkeiten haben, das schwierige Antragsverfahren zu verstehen.

Weniger Verwendung von Stiftungsgeldern für politische Großprojekte

Vor zehn Jahren wurde den Kulturschaffenden in Braunschweig gesagt, dass von der Politik kaum noch Geld vorhanden ist, und sie sich lieber an Stiftungen wenden sollen. Heute wird ihnen auch von den Braunschweiger Stiftungen erzählt, dass kein Geld vorhanden sei, weil die Gelder für Großprojekte wie zum Beispiel Otto IV. oder das ‚Kulturprojekt’ 1913 verwendet werden. Es ist daher sinnvoll, Stiftungsgelder für kleinere Projekte vorzuhalten.

Kulturschaffende an Schulen

Förderung beginnt nicht erst mit bzw. nach dem Studium, sondern schon zu Schulzeiten. Die meisten Schulen sind mittlerweile Ganztagsschulen. Wenn man Kulturschaffenden (Musiker, Schauspieler, Regisseure, Schriftsteller, bildende Künstler) aus der Region die Möglichkeit bietet, AGs im Nachmittagsprogramm anzubieten, um Schülern das kulturelle Handwerk beizubringen, dann hat man langfristig mehr Schüler, die auf das Leben eines Künstlers vorbereitet sind. Außerdem haben die Künstler so ein regelmäßiges Zusatz-Einkommen.

Kunst ist keine Sondernutzung

Kulturschaffende, die in der Öffentlichkeit ihre Kunst betreiben, benötigen dafür eine teure Sondernutzungserlaubnis vom Stadtmarketing. Zum Beispiel muss die Tangoschule Siempre Tango dafür bezahlen, dass sie im Gaußpark kostenfreie Tangokonzerte organisiert. Dadurch wird eine kunstfeindliche Atmosphäre geschaffen, da Musik, Tanz und Kunst keine „Sondernutzungen“ sind, sondern Grundbedürfnisse.

Anreize für regionale Kunst

Außerdem wäre es sinnvoll, Anreize für Veranstaltungen mit regionalen Kulturschaffenden zu schaffen. Ein einfacher und leicht zu realisierender Anreiz wäre, dass JEDES Konzert, JEDE Kunstausstellung, JEDE Lesung mit regionalen Kulturschaffenden mit 50 Euro bezuschusst wird. Wenn man bedenkt, dass jeder einzelne Theaterbesucher mit rund 100 Euro an Steuermittel gefördert wird, dann ist der Betrag sehr niedrig. Ein Veranstalter kann mit 50 Euro allerdings zum Beispiel rund fünf Tausend Flyer drucken. Die Bezahlung könnte unbürokratisch bei Vorlage eines Flyers laufen.

Braunschweig braucht Wächterhäuser

Viele Künstler sind auf der Suche nach günstigen Räumen, um ihre Kunst auszuleben. Auch junge Selbständige vermissen Coworking-Spaces in Braunschweig, um ihre Geschäftsideen zu realisieren. Hier muss mehr Raum geschaffen werden bzw. vorhandener Raum besser genutzt. Der Leerstand in der Innenstadt eignet sich zum Beispiel ideal für Galerien auf Zeit.

Auftrittsmöglichkeiten für regionale Musiker

Um es kurz zu machen: Es gibt genug potentielle Auftrittsmöglichkeiten für regionale Musiker und Schriftsteller. Wir haben den Roten Saal, den Hansa Kultur Club, das Nexus, das Meier, die Kaufbar, das Literaturinstitut, das Haus 3 vom Staatstheater, die Hausbar, das Kleine Haus, die Okercabana, das B58, die Mühle, die Ortsbüchereien, das Universum-Kino, die Gearbox, das Riptide, das LOT-Theater, die Kunstmühle, das Jugendzentrum Heidberg, die Stadthalle, das Haus der Kulturen, das Wolters Hoffest, die Meier Music Hall, die Stadthalle, die Haifischbar, den Schlossplatz, das Monkey Island, die HbK-Mensa, die Funzel, die NeunRaum-Galerie, die Brunsviga, Kultur im Zelt, das Magnifest, den Kunstverein Jahnstraße, das Jugendzentrum Heidberg, das Summervibes-Festival, Harrys Bierhaus, die HBK-Ateliers in der Blumenstraße, den Kunstverein Braunschweig, den Konsumverein, das Wild Geese und viele weitere. Leider gibt es keine Übersicht über alle Auftrittsorte in Braunschweig, es ist daher dringend geboten, dass für Musiker eine Liste mit allen potentiellen Auftrittsorten erstellt wird, die auch online einsehbar ist.

Offene Bühnen in der Innenstadt

In der Innenstadt fehlen offene Bühnen für Straßenmusiker und regionale Musiker. Diese würden zum einen das Stadtbild beleben und ein wenig mediterrane Stimmung in die Innenstadt bringen, zum anderen bieten sie Musikern eine Plattform, um vor unterschiedlichsten Publikum aufzutreten.

Kunst im öffentlichen Raum

Braunschweig hat viele Orte, die Platz für Kultur bieten. Für eine buntere Stadtentwicklung ist ein Gremium wünschenswert, dass sich mit der Nutzung von öffentlichen Plätzen für zeitgenössische Kunst beschäftigt. In der Friedrich-Wilhelm-Straße (zwischen der ehemaligen Hauptpost und dem Friedrich-Wilhelm-Platz) könnte man gut 8 – 14 Skulpturen entlang der Straße aufstellen, damit Lebendigkeit in die Straße zurück kehrt.

Offene Ateliers mit Fotoausrüstung

Viele junge Fotografen haben das Problem, dass sie sich keine professionelle Fotoausrüstung leisten können. Außerdem haben viele keinen Zugang zu Ateliers, in denen sie experimentieren können. Ein offenes Fotoatelier mit guter Fotoausrüstung, das man kostenfrei für mehrere Stunden mieten kann, kann dem Abhilfe schaffen.

Fotoprojekte

Fotos lassen sich ideal fürs Stadtmarketing verwenden, wenn sie städtisches Leben als Inhalt haben. Wettbewerbe können Fotografen anregen, mehr regionale Motive zu fotografieren, die anschließend dauerhaft online ausgestellt werden. Auch ein google-earth-Projekt wäre interessant, bei dem Fotografen, die viele ihre Fotos auf google.earth oder ähnlichen Portalen verlinken, belohnt werden, so dass Braunschweig zu einer gut kartographierten Stadt wird.

Diese Ansichten, Standpunkte und Möglichkeiten wollen wir in unregelmäßigen Abständen weiter entwickeln. Auch wollen wir uns bei dem anstehenden Kulturentwicklungsplan einbringen. Jeder Kulturinteressierte ist aufgerufen, sich an der Diskussion zu beteiligen, für Vorschläge und Anregungen sind wir dankbar.

Verabschiedet vom Vorstand Kufa e. V. am 25. Juni 2013